Landing Pages, M. Koch

WER BIN ICH?

Profile_Marisa-Koch

MARISA KOCH

  • Studium: FHAM (Erding, Deutschland): 7. Semester Wirtschaftspsychologie, Schwerpunkt Markt- und Werbepsychologie
  • Beruf: Werkstudentin, Estée Lauder Companies, Bobbi Brown Division, Marketing und Training (München)

WARUM EIGENTLICH LANDING PAGES?

Im Rahmen des Kurses „Entwicklung und Umsetzung von Marketing Konzepten“ (Dozent Peter Fischer, 2009) habe ich die Werbekampagne des Duschgels „Hot Fever“ der Marke Axe nach werbepsychologischen Gesichtspunkten untersucht. Highlight der Kampagne war eine interaktive Landing Page in Form einer Microsite, die dem Besucher durch das Lösen „spezieller“ Aufgaben die nötige Reife verleiht, um das Duschgel verwenden zu dürfen. Diese Art der Darstellung hat mich fasziniert, worauf ich in einem aktuellen Projekt, gleichsam auch meine Bachelorthesis, ein Marketingkonzept mit Fokus auf Erstellung einer Microsite für ein Unternehmen erstellen werde. Ich freue mich darauf, diese Art der “Werbung out of the box” nicht nur theoretisch sondern auch praktisch umsetzen zu dürfen.

DEFINITION

Was ist eine Landing Page?

Die Kunst besteht darin das Konstrukt Landing Page universell zu beschreiben. Denn eine einheitliche Definition ist im WWW nicht zu finden. Somit ist es schwierig eine „richtige“ Definition zu finden.

….nicht falsch ist:

Eine Landing Page ist eine Seite auf, der ein Internetnutzer landet, wenn er einen Link anklickt.

…nicht falsch ist:

Eine Landing Page verfolgt das Ziel, dem Benutzer möglichst genau das zu bieten, was er sucht.

Was ist das Ziel einer Landing Page?

[flv:http://www.werbung-out-of-the-box.de/wordpress3/wp-content/uploads/2010/01/Was-sind-Landing-Pages_Video_0001.flv 320 240]

Hier besteht Uneinigkeit zwischen verschiedenen Autoren. Die Autoren von http://www.seocrunch.com/ unterscheiden 2 verschiedene Arten von Landing Pages, die jeweils unterschiedliche Ziele verfolgen:

  1. Reference Page“: diese Website bietet dem Suchenden lediglich Informationen. Sie dient hauptsächlich dem Entertainment des Besuchers.
  2. Transactional Page“: auf dieser Website kann der Internetnutzer direkt Aktionen ausführen, wie Waren bestellen, sich für einen Newsletter registrieren etc.

(Quelle: http://www.seocrunch.com/?s=landing+page&x=0&y=0)

Welche verschiedene Arten von Landing Pages gibt es?

Tim Ash gilt als einer der Online Marketing Pioniere unserer Zeit. Er betont, dass Landing Pages sich hauptsächlich auf den Verkauf fokussieren sollen, mit dem Ziel „aus Besuchern Kunden zu machen“ (Ash, 2009). Die Gestaltung der Landing Pages wird als Marketinginstrument zur Suchmachaschinenoptimierung (SEO) verwendet mit dem übergeordneten Ziel der Ertragssteigerung.

Ash unterscheidet 3 Grundausführungen von Landing Pages

  1. Hauptwebsite à die Landing Page ist ein Teil der Hauptwebsite
  2. Microsite à die Landing Page ist Teil einer Microsite (enthält ausreichend Informationen zu einem bestimmten Thema, um den Besucher auf eine Conversion Handlung hinzuführen)
  3. Eigenständige Seite à die Landing Page ist eine sehr knappe Seite für einen bestimmten Zweck, bspw. direkte Kauffaufforderungen

Ist jede Website eine Landing Page?

Geht man von der allgemeinen Definition aus muss man diese Frage bejahen, da man theoretisch je nach Eingabe der Suchwörter auf jeder x-beliebigen Seite “landen” kann. Dabei ist es egal ob die Suchmaschinen Anfrage eine kontextbezogene Anzeige (im Suchmaschinenergebnis erkennbar durch farbige Unterlegung) oder ein „normales Suchergebnis“ ist. Die enge Verbindung zum Thema Suchmaschinenoptimierung“ (SEO) ist klar erkennbar (http://www.symweb.de/glossar/landing-pages__851.htm).

RELEVANZ

Warum sind Landing Pages in der heutigen Zeit so wichtig?

Wie bei den anderen neuen Werbeformen vom Guerilla Marketing bis zu Google Adwords etc.  ist es kein Geheimnis, dass jede Aktion eines Marketers oder Unternehmens sich in irgendeiner Form Wettbewerbsvorteile zu verschaffen sucht. In der unendlichen Vielfalt der Werbung wird mit den verschiedensten mehr oder weniger aggressiven Mitteln um die Gunst der Konsument gebuhlt.

Nicht anders verhält es sich bei den Landing Pages mit mehr oder weniger großem Erfolg. Sind Landing Pages gut gemacht, können sie ein machtvolles Instrument darstellen. Die Chance und gleichsam Herausforderung ist dabei, nicht nur den Internetnutzer auf seine Seite zu locken, indem sie ein gutes Ranking bei den Suchmaschinen hat, sondern auch, dass der Suchende auf der Seite verweilt und das Gefühlt hat, genau das gefunden zu haben, was er sucht. Hier können Erkenntnisse aus der Werbepsychologie einen entscheidenden Beitrag zum Erfolg leisten (Wahrnehmung, Involvement, kognitive Verarbeitungsprozesse etc. siehe Rosenstiel & Neumann, 2002). (Landing-) Web Seiten müssen so optimal gestaltet sein, dass sie im Ergebnis der Suchmaschinen, abhängig von der Anfrage des Suchenden, auftauchen, also benutzer- bzw. sucherorientiert. Kurz gesagt, je besser die Kriterien auf der Landing Page mit denen des Suchenden übereinstimmen, desto höher ist das Ranking bei der Ergebnisseite. Ergo, sind die Chancen aufgerufen zu werden höher. Damit erhöht sich wiederum die Chance auf eine Conversion, die sich je nach Zielsetzung der Website positiv auf Ertrag des Unternehmens, Klickrate oder Image etc. auswirkt.

Conversion: eine messbare Handlung (Conversion Handlung), die den Internetnutzer zu der Handlung führen soll, die vom Betreiber gewünscht wird. Zum Beispiel sich in den Newsletter eintragen oder einen Kauf abschließen.

Die Conversion ist ebenso ein mächtiges Mittel zur Erfolgsmessung. Die Conversion Rate gibt in Prozent an, wie viele Besucher eine Conversion Handlung durchführen (Ash, 2009).

Landing Pages – Praxis-Beispiele

Praxis-Beispiele

1. Die Landing Page als Teil der Hauptwebsite

Kennzeichen

  • Landing Page ist Bestandteil der Hauptwebsite
  • Seitengestaltung und Navigation identisch mit Hauptwebsite
  • Landing Page in der Struktur der Website, in einem Unterverzeichnis oder die Hompage selbst

(vgl. Ash, S. 45, 2009)

Beispiel

Klick auf einen Facebook Ad: „Traumhafte Kleider“ (mittleres Ad, rechts)

Der Interessent für “Traumhafte Kleider” wird auf die Landing Page weitergeleitet, die Teil der Homepage ist.

LANDING PAGE: http://www.stylefruits.de/products/list/kategorie/1041677130/sortierung/beliebtheit_woche

Diesr Seite ist Teil der HOMEPAGE: http://www.stylefruits.de/

(Pfad von der Homepage zur Landing Page: Homepage –> Kleider –> Sortieren nach Beliebtheit)

Landing Pages – Praxis-Beispiele

2. Die Landing Page ist eingebettet in eine Microsite

Kennzeichen

  • Definierte Zielgruppe
  • Definierter Zweck
  • (Meist) Handlungsaufforderung (je nach Anbieter die gewünschte Conversion Handlung)
  • Detaillierte Beschreibung des einen Angebots
  • Kann identisch zur Hauptwebsite sein oder eigenständig (andere Gestaltung und Navigation)

(Vgl. Ash, S. 46, 2009)

Beispiel 2a:

Microsite zur neuen Produktlinie Axe Dark Temptation

http://www.axe.de/darktemptation/de/index_de.html

Axe Homepage mit allen Produkten in anderem Design

http://www.axe.de/site.php?mainID=start&subID=start

Landing Pages – Praxis-Beispiele

am 16. Jan. 2010 | Keine Kommentare

Beispiel 2b

(interaktive) Microsite zu Coke Zero

http://www.cokezero.de/

Homepage Coca Cola

http://www.coca-cola-gmbh.de/welcome.do

Landing Pages – Praxis-Beispiele

3. Landing Page ist eine eigenständige Seite

  • Speziell für ein bestimmtes Angebot/ Kampagne zugeschnitten
  • Ganz bestimmte Informationen (i.d.R. weniger detailliert als auf der Microsite)
  • Konkrete Handlungsaufforderung (Conversion!)

(Vgl. Ash, S. 46f, 2009)

Beispiel

Diese Landing Page ist von einem Unternehmen (Saleslead) gestaltet, die einem potentiellen Interessenten einen “Landing Pages Creator” anbietet. Das Unternehmen wurde gefunden durch die Eingabe des Suchbegriffs “Landing Page erstellen” in die Suchmaschine Google (http://www.google.de/).

Der Interessent landet auf einer einfachen Seite mit der klar ersichtlichen Möglichkeit das Angebot zu testen.

http://www.landing-page-creator.com/landing-page.php

Nach Klick auf „hier kostenlos testen“ (grüner Button rechts unten) kann der Interessent ohne Umschweife sofort handeln (Anmeldung/ Registrierung –> gewünschte Conversion Handlung).

https://ssl.saleslead.de/index.php?action=registrationForm&license_id=7

Wer ausführlichere Informationen über das Thema, das Unternehmen oder weitere Angebote möchte, hat die Möglichkeit sich auf der Homepage zu informieren.

http://www.saleslead.de/

Werbeziel von Landing Pages

Wenn ich als Unternehmen eine Landing Page bspw. in Form einer Microsite einrichten will, ist es strategisch sinnvoll sich vorher klare Ziele zu setzen, nach dem Motto, wer keine Ziele hat, kann auch keine erreichen. Einfach nur so mal schnell ein Microsite zu erstellen weil es gerade Trend ist, kann sehr schnell nach hinten losgehen.

Die allgemeine strategische Stoßrichtung dieser Kommunikationsmaßnahme kann eher dem Abverkauf zugeordnet werden (sofern es sich um ein saleable product handelt. Wie oben beschrieben kann die Aktion auch das Eintragen in den Newsletter Verteiler sein oder die Teilnahme an einer Umfrage). Selbstverständlich ist das kein isoliertes Ziel (das Pendant zu absatzorientierten Kampagnen wären reine Imagekampagnen), denn schließlich wird auch mit jeder abverkaufsorientierten Kommunikationsmaßnahme eine Unternehmens-Message transportiert. Das heißt eine gewisse Corporate Identity (abgestimmter Einsatz interner und externer Marketingmaßnahmen; http://www.ci-portal.de/) sollte sinnvollerweise beibehalten werden, um den Kunden nicht zu “verwirren” (Vermeidung kognitiver Dissonanz, wenn die Aussagen von Kampagnen bspw. sehr inkonsistent wären; Siehe v. Rosenstiel & Neumann, 2002).

Warum spreche ich Kunden an?

Ziel ist eine sofortige Reaktion der Target Group zu bewirken

Daher werden Microsites unter manchen Autoren auch als „Aktionsseite“ bezeichnet (Leidig& Hirschhäuser, 2008). Der Besucher soll im Idealfall zu einer schnellen oder sofortigen Aktion geleitet werden. Bei den beworbenen Produkten handelt es sich oftmals um limitierte Produkte (siehe bspw. die crossmediale Werbekampagne des 2009 eingeführten Duschgels von Axe „Hot Fever“), Neueinführungen von Angeboten, die stark gepusht werden sollen oder Spezial-Aktionen, die in Phasen saisonaler Schwäche (bspw. weniger Kaufkraft der Endverbraucher im Februar/ März) die Umsätze steigern sollen. Durch die Integration der Kommunikation in einer Landing Page, vor allem als Microsite, findet eine starke Selektion der Zielgruppe statt. Was heißt das? Nicht jeder Besucher wird mit den gleichen Informationen überladen, sondern im Idealfall bekommt der Besucher genau das zu sehen, was er sehen will. Der potentielle Käufer kann sich auf der Microsite mit nur diesem einen Angebot beschäftigen ohne von tausend anderen Informationen abgelenkt zu werden. Im Extrem-Fall, wie bei Axe (Unilever, siehe auch Beispiel oben zu Axe Hot Temptation) wird das Angebot so sehr gepusht, dass die normale Homepage für den Zeitpunkt des Produkt Launches gar nicht mehr direkt erreicht werden kann. Das heißt wer, 2009, www.axe.de als url im Browser angegeben hat, ist automatisch auf www.muchasmaracas.de weitergeleitet worden, die Microsite der Werbekampagne zu dem Duschgel Axe „Hot Fever“. Allerdings ist hier ein großer Teil der Werbekampagne mit dem Ziel der Einstellungsbildung und –festigung verbunden.

Voraussetzung für den Erfolg einer Kampagne ist zu Beginn nach dem “Warum” zu fragen. Ist das Ziel wie oben festgestellt eher dem Abverkauf zugeordnet, ist kritischer Erfolgsfaktor eine klare und einfache Struktur der Website. Im nächsten Schritt wird nach dem “Wer” und “Wie” gefragt. es geht darum,eine möglichst detaillierte Kenntnis und Vorstellung der Zielgruppe zu erlangen und diese Erkenntnisse dann operativ umzusetzen.

Wen spreche ich an und wie spreche ich ihn an?

Die Fragen nach den Motivsystemen der Kunden werden in den nächsten zwei Blöcken „Wahrnehmungssituation und Involvementsituation der Zielgruppe“ beantwortet.

(Ash, 2009; Scheier & Held, 2008; Leidig& Hirschhäuser, 2008)

Wahrnehmungs- und Involvementsituation der Zielgruppe

Zimbardo & Gerrig definieren Wahrnehmung als „jene psychischen Prozesse, welche die im sensorischen Abbild enthaltenen Informationen strukturieren und sie so interpretieren, dass sie durch Merkmale von Objekten oder Ereignissen in der externen, dreidimensionalen Welt ausgelöst erscheinen“ (S. 156, 2004).

Was hier kompliziert dargestellt wird, kann auch einfach an einem Beispiel ausgedrückt werden: Was ich sehe ist ein weißes, rundes Ding mit schwarzen Punkten (Sensorik), aber durch mein Wissen und Erfahrungen erkenne und weiß ich, dass dieses Ding ein Fußball ist (Wahrnehmen und Verstehen).

Die wichtigen Determinanten in diesem Prozess sind:

  • sensorische Prozesse und interne Repräsentation eines externen Objektes: ich sehe das weiße, runde Ding mit schwarzen Punkten
  • Wahrnehmung als Interpretation (Identifikation und Wiedererkennen) ich erkenne dieses Ding als Fußball

Vor allem bei der Interpretation externer Reize greift der Mensch auf höhere, kognitive Prozesse zurück, wie Wertesysteme, Glauben, Einstellungen, Vorwissen etc. (Zimbardo & Gerrig, 2004). Wie stark wir dabei nachdenken, über das, was wir wahrnehmen ist dabei personen- und situationsabhängig. Ich, als Frau, die stereotypisch keine Ahnung vom Fußball hat, denke wahrscheinlich anders über diesen Fußball nach als Luis van Gaal, Trainer des FC Bayern München, der unter extremen Druck steht die Meisterschaft zu gewinnen. Dieses weiße, runde Ding mit schwarzen Punkten hat für Luis van Gaal eine ganz andere Bedeutung als für mich. Höchstwahrscheinlich würde sich meine Wahrnehmung bezüglich des Fußballs ändern, wenn der Mann, in den ich mich gerade unsterblich verliebt habe ein totaler Fußball Fan wäre.

Wie kann ich dieses Wissen nun für das Thema Landing Pages gebrauchen?

„Denken ist die schwerste Arbeit, die es gibt. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum sich so wenige Leute damit beschäftigen.“

(Henry Ford, aus Scheier & Held, 2008)

Scheier& Held erklären anhand des Zwei Prozess Modells, wie der Mensch es schafft, nicht mehr so viel denken zu müssen. Denn bei der immens hohen Zahl an Informationen oder Reizen mit denen der Mensch täglich konfrontiert wird, wäre es schlichtweg unmöglich alles zu interpretieren und zu verstehen. In diesem Fall hilft uns das 1. System (wenn zu viele Informationen auf uns einströmen, wir unter Zeitdruck sind oder neben der Hausarbeit ein bisschen Fernsehen) Dinge zwar wahrzunehmen aber so, dass wir uns nicht ausgiebig damit beschäftigen müssen und später aus dem Bauch heraus Entscheidungen treffen können (ohne nachzudenken, weil Denken, wie Henry Ford schon sagte, Schwerstarbeit ist).

Ergo ist für das Thema Landing Pages nicht dass 1. System sondern das 2. System entscheidend. Das ist nämlich die bewusste Steuerung unseres Verhaltens durch intensives „Denken“. Warum ist das so? Gehen wir zurück auf das Beispiel aus dem Video: ich suche einen rosa Bademantel. Schon aus dieser Fragestellung geht hervor, dass ein bewusst-reflektierter Denk-Prozess im Gange ist. Denn ich suche keinen blauen und keine grünen, keinen langen aber dafür einen Frotte Bademantel etcpp. Beim Suchen im Internet bin ich also schon in einem mehr oder weniger anstrengenden Denkprozess. Im Gegensatz zum Werbung gucken, während der Hausarbeit oder die FacebookAds, die ich beim Chatten vielleicht kurz überfliege.

Je nachdem wie wichtig mir der rosa Bademantel ist, ist meine Aufmerksamkeit unterschiedlich stark fokussiert. Kritischer Punkt ist dabei, dass die Aufnahme oder Verarbeitungskapazitäten des 2. Systems sehr beschränkt sind. Wieso nun kritisch? Sich in die Situation seiner Zielgruppe zu versetzen als Unternehmen (Woher weiß das Unternehmen, dass ich einen rosa Bademantel suche?) ist wahrscheinlich die wichtigste als auch die schwierigste Aufgabe im Prozess der Gestaltung der Landing Page. Es ist nahezu unmöglich ein Wahrnehmungsbild eines anderen identisch zu replizieren, da oftmals und unbemerkt die eigenen Ideen und Vorstellung dazwischen funken (Vgl. hierzu Frey/ Greif, 1997; Sozialpsychologie, ein Handbuch in Schlüsselbegriffen – insbesondere Hypothesen Theorie der Wahrnehmung, False Consensus Bias). Schlussfolgernd muss man also in Folge der Wahrnehmungssituation des Langing Page Besuchers bedenken:

  • beschränkte Aufnahme Kapazität – c.a. 3-5 Informationen
  • daraus resultierend: welche 3-5 Informationen sind für den Besucher von Bedeutung? (Bedürfnisse, Motive)

Die entscheidende Frage ist, habe ich Lust wirklich lange über das Angebot XYZ nachzudenken?

Nehmen wir als Beispiel das 2009 lancierte Duschgel Axe Hot Fever. Der Kommunikationsmix bestand aus einer cross-medialen Werbekampagne, in der besonders die Microsite www.muchasmaracas.de das Interesse der Öffentlichkeit auf sich zog. Mit dieser Landing Page in Form einer Microsite kann der eigentlich low-involvierte (zu deutsch: wenig interessierte) Käufer eines wenig komplexen Produkts plötzlich zum high-involvierten Käufer eines Duschgels werden, der sich nicht nur gedankenlos ein Produkt zur Körperhygiene besorgt, sondern ein Duschgel, das zum Joker wird, wenn es um die Kunst der Verführung des weiblichen Geschlechts geht. Die wenigen Informationen, die sich der Besucher der Muchas Maracas Microsite spielerisch einprägen muss, bestehen aus

  1. Neues axe macht muchas maracas
  2. Muchas maracas steht für große Testikel
  3. Mit axe habe ich mehr Erfolg bei Frauen

und ganz nebenbei verankert sich die Marke Axe im Langzeitgedächtnis und es treten weitere positive Effekte auf, wie Reizgeneralisierung auf andere Produkte, sodass nicht nur der Launch gepusht wird (Abverkauf), sondern der Besucher nebenbei noch „gebrandet“ wird (die Marke wirkt dann implizit).

  1. Rosenstiel& Neumann, 2002; Scheier& Held, 2008; www.axe.com, die Microsite zu dem Duschgel Hot Fever hat keine Domain mehr)

Einordnung in den Kommunikationsmix un cross-mediale Kombination

Der Kommunikationsmix (oder Marktkommunikation) subsumiert als Teil des Marketing Mix (neben Distributions-, Preis-, und Produkt-Mix) diverse Instrumente und Maßnahmen, um den potentiellen Kunden, über unterschiedliche Medien zu erreichen und zu einer Reaktion zu veranlassen (Bruhn, 2007).

Die Marktkommunikation beschäftigt sich hauptsächlich mit den folgenden Fragen:

  • Welche Bedürfnisse haben Kunden?
  • Wie kann ich die Nachrage erhöhen?
  • Wie kann ich Kunden langfristig binden?
  • Wie kann ich eine Einstellung/ Image zu der Marke XYZ bilden?

In den Bereichen des Kommunikations-Mixes fallen unter anderen, massenmediale Kommunikation, Sponsoring, Product Placement oder Event Marketing. Der Erfolg der Marktkommunikation hängt dabei nicht ausschließlich von den einzelnen Bestandteilen ab „Was mache ich alles“ sondern eher von der Optimierung und Abstimmung der ausgewählten Maßnahmen untereinander „Wie mache ich es“. (Bruhn, 2007)

Zusammengefasst stellt sich das Unternehmen bei der Marktkommunikation die Frage:

„Wie mache ich was, um Bedürfnisse zu erzeugen, die Nachfrage zu erhöhen, Kunden zu binden oder ein positives Image meines Unternehmens zu schaffen?“

Letztendlich ist jedes Unternehmen auf einen gewissen Return of Investment angewiesen, um zu überleben.

Was Landing Pages angeht, so kommen dabei diverse Vorteile des Interneteinsatzes zum tragen, wie bspw. die direkte Kundenansprache, Senkung von Transaktionskosten, ständige Erreichbarkeit oder günstige Kommunikationswege (Vgl. Leidig& Hirschhäuser, 2008). Eine Landing Page in Form einer Microsite hat daher in starkem Maße instrumentellen Charakter im Sinne der Absatzförderung. Daher werden sie auch oft als Aktionsseiten beschrieben. Dass dabei auch die Einstellung zu einer Marke gebildet oder gefestigt werden soll ist klar. Des wegen ist es erfolgskritisch die verschiedenen Instrumente auf einander abzustimmen, dass es beim Verbraucher nicht zu Dissonanzen kommt. So kann gerade bei Microsites der Besucher sowohl agieren (kaufen, sich anmelden o.ä.) als auch nebenbei „gebranded“ werden. Wie oben erklärt wirkt die Werbebotschaft sowohl explizit und auch implizit (Einstellungsbildung und –festigung durch Corporate Identity) (Scheier& Held, 2009).

Der große Vorteil der Landing Pages ist die Möglichkeit Interessenten gezielt und persönlich anzusprechen. Es wird eine Möglichkeit geschaffen, über das Massenmedium Internet eine bedürfnisorienterte und damit effektive Ansprache zu erreichen mit einer wesentlich geringeren Streuung der Information.

Gerade in Krisenzeiten ist eine effektive Marktkommunikation (vor allem für kleinere/ mittelständische Unternehmen) von höchster Relevanz. Wer sich keine großen Kampagnen leisten kann der Bloggt, Twittert oder geht auf Facebook (siehe http://www.werbung-out-of-the-box.de/category/social-communities/, Artikel zu Social Communities von Veronika Obster). Oder kann sich relativ kostengünstig eine Microsite erstellen lassen. Perfektes Beispiel für die cross-mediale Kombination im kleineren Rahmen bietet die 4M Agentur: hier wurde mit Print, Radio und Microsite gearbeitet. In den Print Anzeigen (Plakaten) wurde explizit auf die Microsite hingewiesen. Siehe:

http://www.4m-werbepsychologie.de/2010/01/18/crossmediale-kampagnie-plakat-landingpage/

Microsite: http://www.kurz-mal-fitness.de/

Auch Weltkonzerne, wie die Unilever Marke Axe, mit einem nicht unerheblich größeren Budget, verwenden cross-mediale Kampagnen: So umfasste die Kampagne zum Launch der Duschgels Axe Hot Fever (2009) einen TV Spot, Print Anzeigen (Magazine) und eine (interaktive, zeitlich begrenzt verfügbare) Microsite.

Fazit und Ausblicke

In einer Studie (2006) der Nielsen Media Research, ergattert die Online Werbung einen Anteil von 7,6% vom cross-medialen Werbekuchen (u.a. Fernsehen 38, 3%, Radio 5,5%) und übertrifft damit erstmalig das Radio als viertgrößter Werbeträger deutschlandweit; außerdem liegen die Aufwendungen für online Werbungen 2009 in Rekordhöhe mit 800 Mio Euro, prognostizierte Tendenz steigend.  (Leidig& Hirschhäuser, 2008)

In Bezug auf Landing Pages können folgende Thesen und Prognosen von Interesse sein (übernommen aus Leidig& Hirschhäuser, S. 31, 2008):

  • Der Interaktionsgrad der Online-Werbung dürfte zunehmen
  • Online Unterhaltung findet in der Zukunft verstärkt in Erlebniswelten werbetreibender Unternehmen statt
  • Die räumliche Begrenzung klein-formatiger Werbeformen hat Vorteile in Bezug auf die Interaktivität
  • Große und kleine Streaming-Anwendungen dienen künftig als bedeutsame Aufmerksamkeitserreger

Es darf jedoch nicht vergessen werden wie schnell sich die Technik entwickelt und damit wie schwierig es ist gute oder sichere Prognosen zu berechnen. Die Erforschung der neuen Formen der Werbung und deren Wirkung steckt noch in den Kinderschuhen. Bis reliable und valide Ergebnisse da sind, kann der ein oder andere Trend schon wieder vorbei sein. „Gerade der Forschungsbedarf in Hinblick auf die Branding-Wirkung von Sonderwerbeformen ist sehr hoch.“ (Leidig& Hirschhäuser, S. 64, 2008).

Neue Werbeformen sind vielleicht kein Erfolgsgarant, aber es ist ein Weg den man gehen kann. In diesem Sinne ist jede (sinnvolle) Aktivität, die durchdacht ist und den Zeitgeist trifft ein guter Weg- frei nach dem Motto, es ist nicht wichtig welchen Weg du gehst, Hauptsache du gehst einen Weg und bist aktiv. Mit ein Bisschen Glück und Verstand kann ein gute Idee enormen Erfolg verheißen.

„Nichts ist stärker als eine Idee, deren Zeit gekommen ist!”
Victor Hugo (1802-85), frz. Dichter d. Romantik

(http://www.zitate.de/db/ergebnisse.php?sz=3&stichwort=&kategorie=Idee&autor= )

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3 Antworten : “Landing Pages, M. Koch”

  1. Vroni sagt:

    Find dein Video einfach super, Stichwort “pinker Bademantel” ;-)

  2. Lust darauf mal eine eigene persönliche Landing Page zu bauen. Das Freeware-Tool WEBMASTER erlaubt dies auf die Schnelle:
    http://webmaster.addressdialog.com/webmaster/demo/

    Dies wird von vielen Agenturen in Deutschland täglich für personalisierte Kampagnen genutzt. Kennen Sie sich damit aus, haben Sie schon ein kleines Rüstzeug für Ihren späteren Job z.B. bei der Kampagnenplanung und -realisation.

    Im Ergebnis erhält dann der Kampagnen-Owner ein Online-Responsemanagement par excellence. Siehe dazu folgendes Beispiel:
    http://my.addressdialog.com/reporting/IPMTL

    Schauen Sie bitte auf alle Karteireiter, die angeboten werden. In dieser Echtzeit-Doku wird folgende Dummy-Landing Page dokumentiert:
    http://go.addressdialog.com/IPMTL/DEMO

  3. Marisa sagt:

    Vielen Dank für die Kommentare!

    @Vroni: ich denke der pinke Bademantel ist einfach sehr einprägsam :) Freut mich, dass es dir gefällt!

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