Multisensorisches Marketing am POS -S. Jorum

Autor und Studium

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Ich heiße Simone Jorum, bin 22 Jahre alt und studiere im 6. Semester  Wirtschaftspsychologie. Mein  Schwerpunkt ist Markt- und Werbepsychologie.

Thema

Mein Thema ist multisensorisches Marketing am Point of Sale (Verkaufsort). Ich habe mich für dieses Thema entschieden, da es basierend auf Erkenntnissen der Psychologie ein wichtiges Instrument ist, um die Aufmerksamkeit der Konsumenten auf ein Produkt zu lenken. Wenn wir vor einer Kaufentscheidung stehen können unsere Sinne – Sehen, Hören, Tasten, Riechen und Schmecken – auf verschiedene Weise bewusst und auch unbewusst angesprochen werden. Multisensorisches Marketing kann durch das gezielte  gleichzeitige Ansprechen dieser Sinne einen Mehrwert liefern, um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen, da in erster Linie Emotionen ausgelöst werden, die oft entscheidend für Kauf oder Nicht-Kauf sind. Mit welchen verschiedenen Möglichkeiten die Werbung unsere Sinne vereinnahmen kann und welche psychologischen Theorien dabei zum Tragen kommen, möchte ich den kommenden Beiträgen erläutern.

Definition

Der Begriff multisensorisch bedeutet etwas mit mehreren Sinnen wahrzunehmen. Unsere fünf Hauptsinne sind Sehen (visuelle Wahrnehmung), Hören (auditive Wahrnehmung), Riechen(olfaktorische Wahrnehmung), Schmecken (gustatorische Wahrnehmung) und Tasten (haptische Wahrnehmung). Multisensorisches Marketing POS bedeutet all diese fünf Sinne durch Werbemaßnahmen anzusprechen. Als Point of Sale (POS) wird der Verkaufsort bezeichnet, der Ort an dem der Verbraucher unmittelbar mit dem Produkt in Kontakt und auch die meisten Kaufentscheidungen getroffen werden.

Doch warum reicht es nicht nur einen oder zwei Sinne zu aktivieren? Die Brand-Sense-Theorie des anerkannten Marketingwissenschaftler Martin Lindstorm basiert auf Kenntnissen aus der Hirnforschung: Die einzelnen Reize werden im Gehirn zwar an unterschiedlichen Stellen verarbeitet, beeinflussen sich aber gegenseitig. Ein Beispiel aus dem Alltag verdeutlicht dies: Erdbeeren in einem satten Rot, nicht zu hart und nicht zu weich und die

frisch duften kauft der Verbraucher gerne. Doch was wäre, wenn diese Erdbeeren zwar verführerisch duften jedoch dunkelblau wären? Der Konsument wäre verwirrt und würde die Ware womöglich als verdorben ansehen und nicht kaufen. Bei der Wahrnehmung spielen also nicht nur ein Sinn sondern alle Sinne eine Rolle. Im Marketing ist es daher wichtig, dass das Wahrgenommene ein einheitliches Gesamtbild ergibt. Der Duft, die ertastete Festigkeit, die Farbe und natürlich der Geschmack ergeben zusammen das Bild, wie wir eine Erdbeere wahrnehmen. Genauso funktioniert multisensorisches Marketing. Ein Produkt sollte im Idealfall gesehen, gerochen, gehört, ertastet und geschmeckt werden können. Wird zur selben Zeit die gleiche Botschaft von mehreren Sinnen in unserem Gehirn aufgenommen, tritt zudem ein verstärkender Mechanismus auf, genannt Multisensory Enhancement. Durch die Aktivierung mehrerer Sin

ne wird die Stärke der einzelnen Eindrücke nicht nur addiert sondern um ein vielfaches verstärkt. Dadurch nimmt der Verbraucher das beworbene Produkt viel intensiver wahr. Verschiedene Beispiele, die diese Wirkung veranschaulichen folgen in den nächsten Einträgen.

Geschichte

In der Vergangenheit hat sich die Werbeindustrie hauptsächlich mit der audiovisuellen Zweidimensionalität begnügt. Besonderen Wert wurde vor allem auf das Sehen gelegt. Werbeplakate, Anzeigen und Logos beispielsweise wurden in ihrer Form, Farbe und Gestaltung optimiert. Die Radio-Werbung etwa beschränkt sich auf auditive Wahrnehmung. Das Fernsehen als die Werbeplattform der letzten Jahrzehnte entwickelte sich zwar vom Schwarz-Weißbild mit Mono-Beschallung zum hochauflösenden  Plasma-Fernseher mit Dolby-Surround, es können aber weiterhin nur visuelle und auditive Reize übermittelt werden. Dank der Erkenntnisse aus dem Neuromarketing, welche Bedeutung die multisensorische Verarbeitung von Eindrücken in unserem Gehirn hat, erkennen immer mehr Unternehmen wie wichtig es ist, dass ihre Produkte von den Konsumenten mit allen Sinnen wahrgenommen werden und was sich daraus für Vorteile für die Marke selbst ergeben.

Quellen:

Martin Lindstrom „Die Macht des multisensorischenBrandings“, aus Hans Georg Häusel: „Neuromarketing“, 2007

Martin Lindstrom „Sensory Branding ist für jedes Unternehmen ein Gewinn“, aus Messe&Event 3/09

Martin Lindstrom „Buyology“, 2008

Relevanz

Aufmerksamkeit

Es gibt fast keinen Ort, an dem der Mensch nicht mit Werbebotschaften bombardiert wird. Information-Overflow –  eine Reizüberflutung vor allem durch visuelle Reize überfordert den Konsumenten, der die Fülle der angepriesenen Produkte und Dienstleistungen nicht mehr verarbeiten kann. Folglich sinkt seine Aufmerksamkeit. Aber die Werbebotschaft kann den Konsumenten nur dann erreichen, wenn dieser auch auf sie aufmerksam wurde. Multisensorisches Marketing kann durch das gezielte Einsetzen von zum Beispiel Düften, Materialen oder Tönen eine mehrdimensionale Welt um das Produkt herum schaffen, die es viel mehr als ein einfaches Werbeplakat schafft, die Aufmerksamkeit des Konsumenten zu erreichen.

Quelle Foto: http://www.penaten.de/penaten/index.jsp

Emotionale Ansprache

Unternehmen stehen zunehmend unter einem Differenzierungsdruck, da es für sie immer wichtigerwird, das eigeneProdukt von den Konkurrenzprodukten abzugrenzen. Dabei ist es wichtig, welche Gedanken und Gefühle eine Marke im Konsumenten auslöst. Assoziiert man Geborgenheit oder Sicherheit mit einer Marke oder einem Produkt, so kauft man es sehr viel wahrscheinlicher, als wenn man Angst oder Unglaubwürdigkeit damit verbindet. Durch die Ansprache mehrerer Sinne können solche Assoziationen viel besser geprägt werden. Zum Bespiel ist der Duft der Penaten Creme vielen vertraut und erinnert an die eigenen Kindheit.

Kosten

Ein nicht unerheblicher Punkt ist, dass die Kosten für den Aufbau einer Marke immer mehr steigen. Multisensorische Maßnahmen können in fast jede Werbekampagne eingebaut werden, ohne das Budget zu sprengen. Um beispielsweise den Geruchssinn anzusprechen bedarf es keines großen Aufwands. Es hat sich gezeigt, dass allein durch einen künstlich erzeugten Duft nach frischem Brot der Backwaren-Umsatz in einem Supermarkt erheblich gesteigert werden kann.

Quelle: Martin Lindstrom „Buyology“, 2008

Beispiel

Um zu zeigen, dass multisensorische Wahrnehmung bei mehr Produkten unsere Kaufentscheidung beeinflusst, als man auf den ersten Blick meint, möchte ich von meiner Erfahrung beim Kauf einer Bodylotion in einem Drogeriemarkt berichten.

Beim Betreten des Geschäfts riecht des förmlich nach „Drogeriemarkt“, ich fühle mich wohl, denn ich kenne diesen Geruch. Die erste Reizüberflutung folgt sogleich: Zahlreiche Regale mit zahlreichen Produkten und immer schön bunt gehalten. Was wollte ich hier eigentlich?Am Zielregale angekommen (ich stand bereits aufgrund visueller Gemeinsamkeiten in Form und Farbe fälschlicherweise vor dem Shampoo- und dem Duschgelregal) streift mein Blick alle Produkte (visueller Reiz). Als erstes bleibe ich bei einer bekannten Marke hänge und nehmen das Produkt in die Hand (haptischer Reiz). Es fühlt sich kalt, klobig und schwer an, ausgeschieden. Das Nächste, ein aus der Werbung bekanntes Produkt, wähle ich aufgrund seiner ungewöhnlichen Form (visueller Reiz). In der Hand liegt es allerdings nicht gut. Ich vermute es könnte speziell für Rechtshänder entworfen worden sein, weil es sich besonders gut an die rechte Hand schmiegt. Ich bin Linkshänder, ausgeschieden. Die dritte Wahl treffe ich aufgrund der Signalfarbe Pink. Die Verpackung (es ist das einzige verpackte Produkt im Regal) fühlt sich hochwertig an, es muss ein edles Produkt sein. Ich möchte mehr erfahren und daran riechen, aber das Auspacken schreckt mich ab. Ausgeschieden. Als nächstes nehme ich eine Bodylotion mit interessantem Design ähnlich einem Seifen-Spender. „Mit Algenextrakt“ lese ich und denke, dass Algen wohl eher nicht gut riechen dürften. Vom Gegenteil kann ich mich auch diesmal leider nicht überzeugen. Beim fünften Versuch ergreife ich eine Tube. Sie fühlt sich weicher und geschmeidiger an als das Hartplastik der vorherigen Lotionen. Ich öffne sie mit einem leicht hörbaren Klack (auditiver Reiz) – eine Art Frischegarantie für mich – und rieche Kokosduft (olifaktorischer Reiz), der sofort Urlaubsfeeling in mir hervorruft. Gekauft.

Diese Analyse meines Entscheidungsvorgangs zeigt, dass auch bei alltäglichen Einkäufen unsere Sinne maßgeblich beteiligt sind. Auch unbewusste Wahrnehmungen, wie das Geräusch beim Öffnen eines Produkts, gehen mit in die Bewertung des Gegenstands ein. Besonders auffällig war beispielsweise, dass Produkte für Männer ein sehr lautes, energischeres „Klack“ erzeugten, Wellness-Produkte für Frauen dagegen ein zartes „Klick“. Dadurch wird versucht die den Produkten zugeschriebenen Eigenschaften (Vitalität bzw. Entspannung) auch klangvoll darstellen und es wirkt. Nicht nur die äußere Erscheinung eines Produkts ist wichtig, sondern auch wie es sich anfühlt, riecht (bzw. schmeckt) und anhört.

Weitere Beispiele

Langnese

Quelle Foto links :http://hunger.bluephod.net/wbb/index.php?page=Thread&threadID=2378; rechts: http://www.rp-online.de/wirtschaft/Das-sind-die-neuen-Eissorten_bid_15637.html

Quelle Foto links :http://hunger.bluephod.net/wbb/index.php?page=Thread&threadID=2378; rechts: http://www.rp-online.de/wirtschaft/Das-sind-die-neuen-Eissorten_bid_15637.html

Ein Beispiel, in den alle 5 Sinne bewusst angesprochen werden sollten, war 2005 die Eiskreation “Magnum 5 Sinne“ von Langnese. Hier wirken sich die Marketingmaßnahmen zwar nicht am POS sondern erst hinterher beim Verzehr aus. Aber auch der Eindruck, den das Produkt hinterlässt, hat Einfluss auf die Gedanken und Assoziationen beim erneuten Kontakt mit dem Produkt und somit auch Einfluss auf die Kaufentscheidung.

Langnese versuchte je ein Wahrnehmungssinn durch eine andere Eissorte zu aktivieren. Die Sorte Touch sollte den Tastsinn ansprechen, indem Haselnussstücke im Eis auf der Zunge gefühlt werden konnten, Vision sollte das Auge durch den Kontrast von Erdbeereis und weißer Schokolade reizen. Die Geschmacksnerven sollten besonders mit der Kombination Taste aus Vanille- und Karamelleis gefordert werden. Das Hören sollte durch den Klang des Beißens in eine Hülle aus karamellisierten Zuckerstückchen der Sorte Sound aktiviert werden und der Geruchssinn durch Kaffeebohnen in der Aroma-Variante.

Bei Recherchen in verschiedenen Internetforen konnte ich viele positive Kommentare zu dieser Eis-Kampagne finden, wobei aber hauptsächlich der Geschmack der Eissorten gelobt wurde. Allerdings wurde beispielsweise bei der Sorte Sound weniger das Knack-Geräusch der Eisumhüllung wahrgenommen sondern vielmehr das nicht ganz so angemehme Mundgefühl: “Das fühlt sich an, als würde man auf Glassplitter beissen. Ekliges Gefühl.“ (http://hunger.bluephod.net/wbb/index.php?page=Thread&threadID=2378)

TUI

Das nicht nur Produkte wie Duschgels oder Eiscreme multisensorische beworben werden kann, zeigt das Reise-Erlebnis-Center World of TUI in Berlin (http://www.tui-udl17.de/4077.htm). Das Konzept führt den Kunden bewusst weg vom Blättern im Urlaubskatalog an einen Ort, an dem man die Urlaubsreise fast schon vorab erleben kann. Unter dem Schlüsselbegriff „Reisen zum Sehen und Hören“ gibt es auf mehreren Etagen Reiseberichte, virtuelle Rundgänge durch das Urlaubshotel und traditionelle  Musik des Urlaubslandes. Fühlen und Schmecken kann man seinen Traumurlaub mit jeweils typischen Speisen und Getränken. Auf Displays mit Touch Screen und integrierter Kamera kann der Besucher schon vorab Postkartenmotive, in die sein Bild integriert wird, auswählen und ausdrucken oder per E-Mail verschicken. Auch an den olifaktorischen Reiz wurde gedacht. Eine Beduftungsanlage verströmt passenden Duft zu aktuell gezeigten Reisefilmen, wie zum Beispiel Orangenduft passend zu Orangenplantagen oder den Geruch von Sonnencreme an Stränden.

Quelle Fotos: http://www.ict.de/World_of_TUI___Berlin.273.0.html

Quelle Foto: http://www.ict.de/World_of_TUI___Berlin.273.0.html

Technisch unterstützen zahlreiche LCD Displays, Projektoren und Lautsprecher-Systeme die multisensorische Darstellung der Reiseziele. Auch Videobrillen mit zwei LCD Displays, die den Eindruck eines Großbildes erzeugen stehen dem Kunden zur Verfügung.

Quellen:

http://www.tui-udl17.de/37.htm

http://www.ict.de/World_of_TUI___Berlin.273.0.html

Werbeziel

Gezielte Marketingmaßnahmen wollen entweder direkten Einfluss auf das Kaufverhalten der Konsumenten nehmen (Sales) oder aber die Marke in den Köpfen der Konsumenten verankern (Branding). Multisensorisches Marketing setzt in erster Linie beim Branding an.Branding kann vor allem durch hohe Reichweite und hohe Frequenz (viele Kontakte des Werbemittels mit dem Konsumenten) erreicht werden kann. Daher ist es wichtig, die 5 Sinne möglichst vieler Menschen zu möglichst vielen Zeitpunkten zu erreichen.

Eine Studie von Millward Brown (http://www.millwardbrown.com) und Martin Lindstrom zeigt, dass die Anzahl sinnlich aktivierter Erinnerungen umso mehr steigt, desto mehr verschiedene Sinne angesprochen werden. Diese aktivierten Erinnerungen können zu einer größeren Bindung zwischen Produkt und Konsument führen. Mit der Erinnerung an eine Marke steigt somit die Markenbindung.

Qzelle Foto: http://www.penaten.de/penaten/index.jsp

Qzelle Foto: http://www.penaten.de/penaten/index.jsp

Als Beispiel kann hier wieder die Penaten-Creme dienen. Die Printwerbung wies schon ab1938 auf Gratisproben hin. Ein gutes Mittel um dem Verbraucher die Marke nicht nur visuell sondern auch haptisch und olifaktorisch erfahrbar zu machen und zwar bevor der eigentliche Kauf erfolgt ist. Die Erinnerung an die Marke Penaten ruft bei vielen Menschen nicht nur beispielsweise Gedanken an das Plakat sondern auch an den Geruch und das Gefühl auf der Haut hervor.

Quelle:

Arnd Florack/Martin Scarabis/Ernst Primosch: Marken mit allen Sinnen erleben, aus Psychologie der Markenführung, 2007

Zielgruppe

Wahrnehmungssituation der Zielgruppe

Wenn es darum geht, wie die Zielgruppe die Werbung wahrnimmt, zählt nicht die objektive Wahrnehmung, sondern ist die subjektive Sicht der Konsumenten ausschlaggebend. Nach dem 3-Speicher-Modell von Neumann gelangen Informationen von Außen als erstes über die Sinnesorgane in einen Ultrakurzspeicher von wo aus die Informationen weiter in den Kurzzeitspeicher gelangen. Während wir unsere Umgebung wahrnehmen, verarbeitet unser Gehirn die verschiednen Reize, die durch zahlreiche Reizquellen auf unsere Sinnesorgane treffen. Die Ausgangssituation für die Wahrnehmung von multisensorischen Werbemittel ist also eine sehr gute, da multisensorisches Marketing laut Definiten so eingesetzt wird, dass möglichst viele Sinne der Umworbenen angesprochen werden. Ein weiterer Punkt der beachtet werden sollte, ist, dass es für keinen Menschen möglich ist, alle Reize, die seine Umgebung abgibt, bewusst aufzunehmen. Das Gehirn muss also selektieren, da die Speicherkapazität nicht für alle Umwelteindrücke ausreichen würde. Folglich gibt es die Differenzierung von bewusst und unbewusst Wahrgenommenem. Die „Zwei Systemwahrnehmung“ (nach Daniel Kahnemann) verbildlicht diese Differenzierung und damit verbundenen Vorgänge mit dem Autopilot, der implizit Aufgenommenes steuert, und dem Piloten, der Explizites steuert. Das Aufnahmenvermögen für implizite Informationen übersteigt das des Piloten-Systems um ein vielfaches. Vor allem wenn Konsumenten unter Zeitdruck stehen, sich von der Masse der Informationen und Angebote überfordert fühlen oder unsicher in der Kaufentscheidung sind, übernimmt zur Entlastung der Autopilot das Steuer. Genau an dieser Stelle kann nun multisensorisches Markring Punkten. Neben visuell heraus stechenden Verpackungen können unbewusst wahrgenommene angenehme Düfte oder handumschmeichelnde Materialien den Konsumenten zum Kauf überzeugen. Wahrnehmung besteht aber nicht nur aus der Aufnahme von Reizen, sondern wird auch von im Gedächtnis verankerten Erfahrungen, Erlebnissen und Erwartungen beeinflusst. Diese Faktoren spielen bei der Kaufentscheidung eine große Rolle, beispielsweise kauft niemand ein Produkt zum zweiten Mal, wenn es sich als enttäuschend heraus gestellt hat. Man setzt sich gewisse Erwartungen, die ein Produkt erfüllen muss. Multisensorische Werbemaßnahmen machen das Produkt besser erlebbar. Der Konsument kann bereits am POS besser einschätzen ob das Produkt seinen Erwartungen entspricht, zum Beispiel Proben oder Tester von Make-up geben Aufschluss auf deren Farbton, Konsistenz, Deckkraft und auch Geruch.

Involvementsituation der Zielgruppe

Neben der Wahrnehmungssituation ist auch Involvement, die Bereitschaft des Konsumenten sich mit dem Produkt auseinander zu setzen, für den Werbeerfolg entscheidend. Der Grad dieser Bereitschaft kann sehr unterschiedlich sein, was auch in der Gestaltung der Werbemaßnahmen beachtet werden sollte. In welchen Situationen kommt der potentielle Käufer mit den Werbemitteln in Kontakt und welche Stimmung könnte er dabei haben? Konsumenten mit High-Involvement suchen aktiv nach Informationen zum Produkt und begegnen diesen kritisch. Low-involeved Personen dagegen zeigen geringes Interesse am Produkt bzw. an Produktinformationen. Ist die Aufmerksamkeit des Kunden gering, ist es daher umso wichtiger aktivierende Elemente in Werbemaßnahmen einzubauen. Konsumenten beispielsweise, die es gewöhnt sind, Backwaren in der Bäckerei zu kaufen, werden im Lebensmittel-Discounter weniger danach suchen. Ein Geruch nach frischem Brot kann sie aber durchaus ködern und sie veranlassen zum Brotwarenregal zu gehen. Auch dauerhaftes „Berieseln“ durch zum Beispiel eine einschlägige Melodie, kann Auslöser für das Interesse bei low-involved Konsumenten sein. Ist die Ausgangssituation beim Empfänger von großer Aufmerksamkeit für das Produkt gekennzeichnet, fehlt meistens nur noch das I-Tüpfelchen um den Kauf auszulösen. Dabei sollte beispielsweise bewusst der differenzierende Nutzen, der das Produkt von Konkurrenzprodukten abhebt, multisensorisch betont werden. Zum Beispiel sind Kunden des Erlebniscenters von TUI high-involved, weil sich bewusst nach Informationen zu ihrem Urlaubsziel suchen. Indem sie neben Videos auch landestypische Musik oder Getränke genießen können, können sie besser einschätzen ob der Urlaub auch ihren Vorstellungen entsprechen würde. Werden ihre Erwartungen erfüllt, kann das der ausschlaggebende Punkt für die Buchung des Urlaubs sein.

Quelle:

Neumann: Markt- und Werbepsychologie, Bd.1 Grundlagen, 2003

Multisensorisches Einordnung in den Kommunikations-Mix und die crossmediale Kommunikation

Unter dem Kommunikations-Mix versteht man die Feinabstimmung der bestimmten Kommunikationsmaßnahmen einer Werbekampagne in Bezug auf die Zielgruppe. Multisensorisches Marketing bietet gute Möglichkeiten, die entsprechenden Zielgruppen auf verschiede Wege zu erreichen und dabei auf deren Bedürfnisse einzugehen. Für eine junge Zielgruppe eignet sich vor allem das Internet, um User visuell und auditiv anzusprechen und ihnen gleichzeitig interaktive Möglichkeiten anzubieten. Ebenso können Verkaufsstände mit multisensorischen Angeboten in Shoppingcentern, auf Messen oder Events Kontakt zur Zielgruppe schaffen. Vor allem bestimmte Düfte und akustische Widererkennungssignale der Marke können die Kunden nachhaltig und langfristig binden. So können auch andere Zielgruppen mit beispielsweise aus ihrer Kindheit bekannten Düften aktiviert werden, wenn sie etwa in einer Zeitschrift auf die Anzeige der Marke, die mit entsprechenden Duftmolekülen versehen ist, stoßen.

Auch im Vorfeld lassen sich multisensorische Maßnahmen bezügliche ihrer Wirkungen in Pre-tests erforschen. Es kann herausgefunden werden, welche Düfte, Geräusche oder Bilder welche Assoziationen bei den Konsumenten auslösen. Daraus wird ersichtlich, ob die gewählten Gestaltungsmerkmale wie Farbdesign, Duftkonzept und Musik oder Soundlogo auch auf den Markenauftritt abgestimmt sind. Da diese Merkmale wichtige Einflussfaktoren für die Imagebildung der Marke sind, sollten sie zusammen passen und die Marke reflektieren und nicht widersprüchliche Assoziationen erzeugen. Genauso wichtig wie die Abstimmung der multisensorischen Merkmale auf die Marke, ist es, dass der Auftritt der Marke im corssmedialen Einsatz identisch ist. Alle Werbemittel einer crossmedialen Kampagne sollten inhaltlich, formal und zeitlich integriert sein. Das bedeutet einerseits eine konsequente und inhaltlich identische Werbebotschaft auszusenden, das Verwenden von Farben, Formen und Logo dem Corporate Design des Unternehmens entsprechend, sowie einen zeitlich abgestimmten  Einsatz der verschiedenen Werbemittel. Andererseits kann der sinnvolle Einsatz von multisensorischen Marketingmaßnahmen eine crossmediale Werbekampagne abrunden, soweit der Einsatz sinnvoll erscheint.

Quellen:

- http://www.mein-wirtschaftslexikon.de/k/kommunikationsmix.php

  • Mahrdt, Niklas: Crossmedia: Kampagnen erfolgreich planen und umsetzen, Gabler GWV Fachverlage, Wiesbaden, 2009

Fazit und Ausblick

Der multisensorische Aspekt sollte in jeder Werbekampagne bedacht werden und dabei geprüft werden, inwieweit multisensorische Maßnahmen sinnvoll einsetzbar sind. Werbemittel sind nicht auf den Einsatz von visuellen Reizen beschränkt sondern können durch Jingles, Düften, verschiedene Materialien und vieles mehr ergänzt werden. Dies kann neben einer nachhaltigen Imageprägung der Marke auch zu Umsatzsteigerung führen. Die größten Stärken des multisensorischen Marketings sind zum einen der rasche Widererkennungswert der Marke, wenn diese über verschiedene Sinne von den Konsumenten wahrgenommen wird und zu anderen eine daraus resultierende Differenzierung von Konkurrenten, die im vorherrschenden Wettbewerb auf den verschiednen Märkten immer wichtiger wird.

Olaf Hartmann vom Institut für Multisensorisches Marketing fasst die Erfolgsfaktoren von multisensorischem Marketing folgendermaßen zusammen: „Zu wissen, wie die Sinneseindrücke die Emotionen und Werturteile der Menschen lenken, ist die Basis für Produkte, die begeistern und Kommunikation, die crossmedial konsistent Vertrauen schafft. Deshalb ist multisensorisches Marketing ein ganzheitliches Erfolgsmodell.“

Quelle:

http://www.multisense.de/multisenseR.html

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2 Antworten : “Multisensorisches Marketing am POS -S. Jorum”

  1. Marie sagt:

    Hallo =)
    Der Beitrag hat mir sehr geholfen, mir ist jetzt erst aufgefallen wie man am Tag beeinflusst wird…
    Danke

  2. Sebnem Yildirim sagt:

    Hallo,
    super Beitrag! Genau darauf aufbauend habe ich ein Werbeprodukt eingeführt, dass die 4 Sinnen anspricht…Einzelverpackte, angenehm duftende Erfrischungstücher, auf der Verpackung ist dann jeweils das Logo der verschiedenn Firma bedruckt. Man sieht, hört, riecht und fühlt die Werbung..Würde mich freuen mit Ihnen Kontakt aufzunehmen…bitte einfach mailen

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