Storytelling, A. Simon

Autor

Alexandra Simon

Studium

Ich studiere im siebten Semester Wirtschaftspsychologie an der Fachhochschule für angewandtes Management in Erding. Meine Schwerpunkte sind die Arbeits- und Organisationspsychologie sowie die Markt- und Werbepsychologie.

Thema

Mein Thema im Rahmen des Seminars „Projektmanagement“ ist das Storytelling. Ich habe mich für dieses Thema entschieden, da es sich um eine Kommunikationsmethode des Marketings handelt, die für nahezu alle zu bewerbenden Produkte und Dienstleistungen geeignet ist und sich immer größer werdender Beliebtheit erfreut. Geschichten wurden seit jeher dazu genutzt, Informationen zu vermitteln. Mit Hilfe des Storytellings wird nun auch Werbung gemacht.

Definition

Storytelling (deutsch: Geschichten erzählen) zielt auf die Weitergabe von explizitem und implizitem Wissen ab. Entscheidend beim Storytelling sind insbesondere der Aufbau und die Struktur der jeweiligen Geschichte. Das Zusammenspiel von Handlung, Botschaft, Konflikt und Charakteren ist für das angestrebte Ziel des Storytellings, emotionale Erlebnisse zu vermitteln, unerlässlich. Dieses Ergebnis kann jedoch nur mit einem hohen Maß an Authentizität erreicht werden.

Storytelling nutzt die Tatsache, dass Geschichten erheblich besser nachvollzogen, erinnert und wiedergegeben werden können als Daten und Fakten. Dementsprechend wird das Erkennen von Zusammenhängen unterstützt, Bezüge werden hergestellt und Emotionen geweckt. Die Konstellation von Erzähler, Geschichte und Zuhörer (situativer Rahmen) bedingt den Dialog positiv oder negativ.

Quelle: Foerg, B. & Spath, Ch. Storytelling & Marketing, 2006, echomedia verlag ges.m.b.h, Wien

Geschichte

Schon seit Menschengedenken werden Geschichten zur Weitergabe von Erfahrungen und Wissen genutzt. In Zeiten, in denen Schrift, Druck und Papier entweder noch nicht bekannt oder nicht verfügbar waren, handelte es sich beim Erzählen von Geschichten um die einzige Möglichkeit, Wissen und Erfahrungen zu erlangen und weiterzugeben.

Auch heute noch begegnet uns Storytelling im Alltag. Sei es bei Vorträgen und Präsentationen im beruflichen Alltag oder beim Mittagessen im Kreise der Familie, Geschichten werden überall und immer erzählt.

Storytelling findet hauptsächlich Anwendung

  • im Wissensmanagement
  • in der PR
  • im Marketing

Seit Mitte der 80er Jahre des 20ten Jahrhunderts hat nun auch das Marketing das Storytelling für sich entdeckt. Die Unternehmen stellten fest, dass nicht Produkte gekauft werden, sondern Marken.

Heutzutage soll mit Hilfe des Storytellings eine Differenzierung vom Wettbewerb, eine Stärkung der eigenen Marken und eine Veränderung des Kaufverhaltens bzw. des Kundenverhaltens erreicht werden.

Quelle: Foerg, B. & Spath, Ch. Storytelling & Marketing, 2006, echomedia verlag ges.m.b.h, Wien

Relevanz

Die bereits beschriebene Situation der Märkte und das generell sehr geringe Involvement der Konsumenten können allein durch die klassischen Werbemittel nicht mehr kompensiert werden. Zu den klassischen Mitteln gehören Spots im Fernsehen, Radio und im Kino, Anzeigen und Beilagen in sämtlichen Druckerzeugnissen sowie Prospekte und Produktbroschüren. Die Konsumenten werden mit einem so genannten information overload (Informationsüberladung) konfrontiert. Das bedeutet, dass sie tagtäglich mit einer exorbitanten Menge an Werbe-Informationen überschüttet werden. Da der Mensch über einen Informationsfilter verfügt, werden nur circa zwei Prozent der dargebotenen Informationen wahrgenommen. Michael (2003) und Holland (2006) haben diese Informationsflut aufgegliedert. So ist ein Konsument am Tag durchschnittlich 3000 Werbebotschaften ausgesetzt, 56.000 Marken wollen von ihm beachtet werden und 3000 Kundenmagazine würden sich wünschen, von ihm gelesen zu werden. Nach Holland (2006) und Fassnacht, Möller (2005) sind 67 Prozent der Konsumenten genervt von der Werbung, nur acht Prozent sind überhaupt in der Lage sich an die dargebotene Werbung zu erinnern und zweidrittel aller Konsumenten schalten sofort nach Beginn der Werbung einen anderen Fernsehsender ein. Zudem wollen sich nur rund sieben Prozent der Fernsehzuschauer aktiv mit einem ganzen Werbeblock auseinandersetzen.

Diese Zahlen sind alarmierend und unterstreichen zugleich die Notwendigkeit von alternativen und neuartigen Werbetechniken.

Storytelling vermittelt emotionale Erlebnisse mit Hilfe von Geschichten. Nicht nur die beworbenen Produkte werden somit emotional aufgeladen, sondern meist auch die ganze Marke. Storytelling wertet dementsprechend das Image einer Marke auf. Diese Werbetechnik erleichtert desweiteren die Differenzierbarkeit der beworbenen Produkte, Dienstleistungen oder Marken in hohem Maße. Sie werden zu etwas Besonderem. Die Werbung wird nur noch bedingt als solche verstanden. Im Mittelpunkt der Betrachtung der Konsumenten steht die erzählte Geschichte.

Quellen:

Foerg, B.; Spath, Ch. (2006). Storytelling & Marketing. Wien: echomedia

Holland, H. (2006). Kundenbindungsmanagement in der Automobilbranche. In: Hinterhuber, H. H.; Matzler, K. (Hrsg.). Kundenorientierte Unternehmensführung – Kundenorientierung, Kundenzufriedenheit, Kundenbindung. Wiesbaden

Information overload: http://www.markenlexikon.com/glossar_i.html

Möller, Sabine und Fließ, Sabine und Fassnacht, M. (2005) Customer Integration as Common Denominator of Services – Insights for Service Marketing. In: Proceedings of the American Marketing Association SERVSIG – Service Research Conference, June 2-4, 2005, Singapore.

Zielgruppe

Die Zielgruppe ist eine der drei Erfolgsfaktoren für das Storytelling. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht der praktische Nutzen einer beliebigen Erfahrungsgeschichte. Das Ziel begründet sich hierbei in der Bewirkung einer gewollten Reaktion. Essentiell ist der Zugang der Zielgruppe zur Perspektive und der Bedeutung der Geschichte. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Konsumenten einen klar definierten Bezug zu dem beworbenen Produkt haben und mit dem Thema vertraut sind.

Jede erdenkliche Zielgruppe kann mit Hilfe des Storytellings angesprochen werden. Unabhängig von Alter, Geschlecht, Nationalität, Bildungsstand, Einkommensniveau und persönlichen Interessen ist Storytelling in der Lage sehr große oder auch nur sehr kleine Zielgruppen zu bedienen. Es handelt sich bei dieser Werbetechnik somit um ein universelles und multifunktionales Technik.

Je nach den Bedürfnissen des werbetreibenden Unternehmens oder dem Auftraggeber kann somit eine Zielgruppe gewählt und eine ihr entsprechende Geschichte entwickelt werden.

Quellen:

Foerg, B.; Spath, Ch. (2006). Storytelling & Marketing. Wien: echomedia

Frenzel, K.; Müller, M.; Sottong, H. (2006). Storytelling. Das Praxishandbuch. München: Carl Hanser

Sales oder Branding

Stellt man sich die Frage Sales oder Branding, so geht es um das Werbeziel.

Esch definiert Werbeziele wie folgt:

„Werbeziele sind zukünftig angestrebte Zustände innerhalb des Marketingbereichs, die durch Kommunikationsmittel erreicht werden sollen. Die Werbeziele sind aus dem Zielsystem der Gesamtunternehmung (Unternehmungsziele) über die Marketingziele (Bereichsziele wie Absatzmengen- oder Marktanteilsmaximierung) abzuleiten.“                        (http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/54839/werbeziele-v4.html)

Im Nachfolgenden soll nun erörtert werden, ob sich Storytelling eher für das Branding oder eher zur Verkaufsförderung einsetzen lässt.

„Branding umfasst alle konkreten Maßnahmen zum Aufbau einer Marke, die dazu geeignet sind, ein Angebot aus der Masse gleichartiger Angebote herauszuheben und die eine eindeutige Zuordnung von Angeboten zu einer bestimmten Marke ermöglichen.“ (Esch, 2008, S. 208)

Das Branding ist angewiesen auf eine hohe Frequenz und eine hohe Reichweite der Werbung. Diese beiden Bedingungen kann das Storytelling in Kombination mit klassischen Werbemitteln ohne weiteres erfüllen. Verbindet man das Storytelling zum Beispiel mit einem Spot im Fernsehen, so sind je nach Zeit und Kontext der Ausstrahlung eine hohe Reichweite und eine hohe Frequenz garantiert. Zu beachten ist hierbei, dass der Markenaufbau und das daraus resultierende Markenimage nicht unmittelbar zum Kauf des beworbenen Produktes führen. Die Konsumenten bilden sich zunächst nur eine Meinung zu dem Produkt und bilden mehr oder weniger bewusst ihre Einstellung gegenüber dem Produkt aus. Die Kaufentscheidung und der anschließende tatsächliche Kauf erfolgen somit verzögert. Storytelling eignet sich hervorragend für das Branding. Es weckt Emotionen durch seine Geschichten. Derartige Geschichten erwecken Gefühle des Vertrauens und der Bekanntheit. Werden diese seitens der Konsumenten in Zusammenhang mit einem Produkt oder einer Marke gebracht, so ist das Werbeziel erreicht.

Sales bezeichnet die Verkaufsförderung von Produkten. Dieses Werbeziel will dementsprechend einen zeitnahen direkten Einfluss auf die Kaufentscheidung des Konsumenten nehmen. Michel und Oberholzer-Michel vertreten diese Definition von Verkaufsförderung:

„Als Verkaufsförderung bezeichnen wir Maßnahmen zur Verkaufssteigerung einer bestimmten Marktleistung innerhalb einer bestimmten Periode.“ (Michel; Oberholzer-Michel, 2009, S. 210)

Das Storytelling ist als Mittel zur Steigerung der Absatzzahlen nur bedingt geeignet. Zwar werden in Zusammenhang mit der Geschichte immer auch kaufrelevante Daten und Fakten transportiert. Diese allein werden jedoch nicht zu einer sofortigen Absatzsteigerung des beworbenen Produktes führen. Diese Werbestrategie löst ebenfalls eine Kaufentscheidung aus, jedoch verzögert. Durch die Markenbildung und somit deren Aufbau und dem daraus resultierenden Image werden die Absatzzahlen ebenfalls gesteigert. Dieses ist jedoch einzig und alleine dem Branding zu verdanken. Rein im Sinne der Verkaufsförderung ist das Storytelling nur in Kombination mit anderen Maßnahmen zielführend.

Quellen:

Esch, F. R. (2008). Strategie und Technik der Markenführung. München: Vahlen

Michel, S.; Oberholzer-Michel, K. (2009). Marketing – Eine praxisorientierte Einführung mit zahlreichen Beispielen. Zürich: Compendio

Gabler Verlag (Herausgeber), Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Werbeziele, online im Internet:
http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/54839/werbeziele-v4.html

Foerg, B.; Spath, Ch. (2006). Storytelling & Marketing. Wien: echomedia

Wahrnehmung & Involvement

Um die Wahrnehmungs- und die Involvementsituation der Werbezielgruppe bestimmen zu können, sind zunächst die Begriffe Wahrnehmung und Involvement zu definieren und im Folgenden näher zu beschreiben.

„Der Begriff Wahrnehmung bezieht sich in seinem weiten Sinne auf den allgemeinen Prozess, Objekte und Ereignisse in der Umwelt zu begreifen – sie mit den Sinnen zu empfinden, zu verstehen, zu identifizieren und zu klassifizieren sowie sich darauf vorzubereiten, auf sie zu reagieren. Der Prozess der Wahrnehmung ist am besten zu verstehen, wenn wir ihn in drei Stufen unterteilen: sensorische Prozesse, perzeptuelle Organisation und Identifikation/Wiedererkennen von Objekten.“ (Zimbardo; Gerrig, 2004, S. 157)

Menschen müssen sich nicht aktiv und bewusst mit Informationen auseinandersetzten, um diese auch behalten zu können. Die Wahrnehmung einer Werbung kann somit auch unbewusst erfolgen. Unbewusst wahrgenommene Informationen beeinflussen und steuern das menschliche Verhalten in exorbitantem Ausmaß. Wer hat sich nach dem Kauf eines Produktes nicht schon einmal gefragt, warum er nun genau dieses Produkt gekauft hat? Kaneman beschreibt in diesem Zusammenhang zwei Systeme im Gehirn, den Autopiloten und den Piloten (vgl. Scheier 2006, S. 60-61).

Der Autopilot steuert unser unbewusstes Verhalten durch automatisierte Programme, die wiederum durch bestimmte Codes (Markenlogo) ausgelöst werden. Der Mensch ist sich seiner der Gegenwart des Autopiloten zudem meist nicht bewusst. Er benötigt für eine Entscheidung lediglich zwei Sekunden, ist intuitiv, spontan und sehr effizient. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen bei ihm Geschichten und Symbole. Rationale Argumentationen, Daten und Fakten sind mit ihm nicht vereinbar. Zu bemerken ist, dass der Autopilot emotional und kognitiv ist.

Der Pilot beinhaltet sämtliche bewusste Emotionen und Kognitionen, die der Mensch aufgrund des Bewusstseins auch kontrollieren kann. Dieses System steht für das Rationale. Entscheidung werden wesentlich zögerlicher gefällt, als es bei dem Autopiloten der Fall ist. Der Pilot ist jedoch wesentlich flexibler als das erste System und kann sowohl planen als auch nachdenken. Da der Pilot ein Sinnbild für Beherrschung und Kontrolle ist, ist er auch sehr anstrengend und energieverbrauchend.

Das Storytelling zielt auf die Weitergabe von implizitem und explizitem Wissen ab. Besonders entscheidend ist hierbei das implizite Wissen. Storytelling bedient sich hauptsächlich der impliziten, also der unbewussten Aufnahme von Informationen. Das System des Autopilots präferiert Geschichten und Symbole. Es ist nicht notwendig, dass der Konsument sich die vermittelte Geschichte aktiv anhört und ihr bewusst Aufmerksamkeit schenkt. Die in der Geschichte enthaltenen Daten und Fakten benötigen wiederum Aufmerksamkeit. Dadurch, dass der Konsument aber die Geschichten unbewusst wahrnimmt, wird er sich aller Wahrscheinlichkeit nach einer gewissen Verzögerung mit dem beworbenen Produkt auseinandersetzen und in dieser Situation aufmerksam sein. Das Aufmerksamkeitsfenster der Konsumenten kann somit sowohl weit offen, als auch nur zu einem kleinen Teil geöffnet sein.

Ein Beispiel: Herr X ist auf dem Weg zu einem sehr wichtigen Geschäftstermin. Er reist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln an. Er muss an der Haltestelle kurz warten. Hier befindet sich auch eine Reklametafel. Er nimmt das dargebotene Produkt (z.B.: Terminplaner) jedoch nur unbewusst war, da er sich über den Geschäftstermin Gedanken macht. Als er seine Aktentasche auf Vollständigkeit hin überprüft, fällt ihm die Geschichte zu dem dargebotenen Produkt wieder ein.

Das Involvement bezeichnet den Grad von Aktivierung, der einen Menschen dazu bringt sich Informationen zu suchen, diese aufzunehmen, zu verarbeiten und zu speichern (vgl. Trommsdorff, 2009, S. 49).

Trommsdorff hat zur näheren Beschreibung des Involvements die folgende Tabelle entwickelt, die das Involvement zudem in eine High-Involvement- und in eine Low-Involvement-Charakteristik unterteilt (Trommsdorff, 2009, S. 49):

High-Involvement-Charakteristik Low-Involvement-Charakteristik
  • Aktive Informationssuche
  • Aktive Auseinandersetzung
  • Hohe Verarbeitungstiefe
  • Geringe Persuasion („souveräner Konsument“)
  • Vergleichende Bewertung vor dem Kauf
  • Viele Merkmale beachtet
  • Wenige akzeptable Alternativen
  • Vielsozialer Einfluss
  • Ziel „Optimierung“
  • Markentreue durch Überzeugung
  • Stark verankerte, intensive Einstellung
  • Hohe Gedächtnisleistung
  • Passive Informationsaufnahme
  • Passierenlassen
  • Geringe Verarbeitungstiefe
  • Hohe Persuasion („geheime Verführung“)
  • Bewertung allenfalls nach dem Kauf
  • Wenige Merkmale beachtet
  • Viele akzeptable Alternativen
  • Wenig sozialer Einfluss
  • Ziel „keine Probleme“
  • Markentreue durch Gewohnheit
  • Gering verankerte, flache Einstellung
  • Geringe Gedächtnisleistung

Abbildung 2: High- und Low-Involvement-Charakteristik

Die Involvementsituation der Werbezielgruppe kann beim Storytelling durchaus auch gering sein. Rein die Aufnahme der vermittelten Informationen aus der Geschichte genügt bereits, dass sich die Konsumenten zumindest an die Geschichte erinnern werden. Mit Hilfe des Storytellings ist es desweiteren möglich, die Zielgruppe von einer Low-Involvement-Situation in eine High-Involvement-Situation zu versetzen. Die unbewusst aufgenommenen Informationen, die durch die Geschichte transportiert werden, können die Konsumentenaktivierung enorm steigern.

Auch hier soll die Involvementsituation anhand eines Beispiels beschrieben werden. Herr X möchte nach dem Geschäftstermin noch kurz ein paar Dinge einkaufen. Er steht vor dem Regal, in dem sich die Margarine befindet. Kurz bevor er sich die gewohnte Marke in den Einkaufskorb legen will, fällt ihm der Werbespot einer anderen Margarinemarke ein. Er findet die darin vermittelte Geschichte sehr ansprechend und entscheidet sich dementsprechend für die andere Marke.

Quellen:

Der Autopilot – die Neuentdeckung des Unbewussten: http://www.implicit-marketing.de/leseproben/pdf/Wie-Werbung-Wirkt_Der-Autopilot.pdf

Foerg, B.; Spath, Ch. (2006). Storytelling & Marketing. Wien: echomedia

Scheier, Christian & Held, Dirk (2006), Wie Werbung wirkt: Erkenntnisse des Neuromarketings, München: Rudolf Haufe

Trommsdorff, V. (2009). Konsumentenverhalten. Stuttgart: W. Kohlhammer

Zimbardo, Ph.; Gering, R. (2004). Psychologie. München: Pearson

Einordnung in den Kommunikationsmix & cross mediale Kombination

Der Kommunikationsmix bezeichnet die Entscheidung für eine bestimmte Kombination verschiedener Kommunikationsinstrumente. Diese Instrumente können wiederum in above the line und below the line gegliedert werden. Above the line bezeichnet diejenigen Kommunikationsinstrumente, die als klassisch gelten. Beispiele hierfür sind die Verkaufsförderung und die klassischen Werbemittel. Below the line hingegen steht für die neuartigen Kommunikationsinstrumente, wie zum Beispiel Sponsoring, Direktmarketing und Events. Storytelling ist eindeutig below the line zuzuordnen. Es handelt sich um eine Werbetechnik, die erst seit circa 20 Jahren verwendet wird und nichts mit den klassischen Werbemitteln gemein hat.

Wie bereits mehrfach erwähnt eignet sich Storytelling hervorragend zur Kombination mit klassischen Werbemitteln. Sei es nun in Verbindung mit einem Fernsehspot oder einer Anzeige in einem Hochglanzmagazin. Storytelling kann jedoch auch mit below the line Werbetechniken kombiniert werden. Es handelt sich somit um ein sehr wandlungsfähige und einfach kombinierbare Technik der Werbung.

Quellen:

Foerg, B.; Spath, Ch. (2006). Storytelling & Marketing. Wien: echomedia

Frenzel, K.; Müller, M.; Sottong, H. (2006). Storytelling. Das Praxishandbuch. München: Carl Hanser

Einsatzmöglichkeiten

Die Einsatzmöglichkeiten des Storytellings sind vielseitig und nahezu unbegrenzt. Wie unter bereits erwähnt, lässt sich dieses Werbetechnik mit nahezu allen anderen existierenden Werbemitteln und –techniken kombinieren. Das Storytelling bietet somit nicht nur im Wissensmanagement und in der PR zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten, sondern explizit auch im Marketing. Aufgrund der Vielzahl der Einsatzmöglichkeiten soll nun ausschließlich auf ein paar ausgewählte Praxisbeispiele eingegangen werden.

Moleskine

Ein hervorragendes Storytelling gelang der Firma Modo&Modo mit ihrer Produktreihe Moleskine. Bei Moleskine handelt es sich um Notizbücher, die in verschiedenen Größen, Farben und Formen erhältlich sind.

Hier ein Ausschnitt von der Moleskine-Website: „Moleskine® ist das Erbe des legendären Notizbuches von Künstlern und Intellektuellen der vergangenen zwei Jahrhunderte, von Vincent Van Gogh bis Pablo Picasso, von Ernest Hemingway bis Bruce Chatwin. Ein treuer Reisegefährte in der Tasche für Skizzen, Notizen, Geschichten und Impressionen, bevor sie zu berühmten Bildern oder zu Seiten von geliebten Büchern werden sollten.“ (http://www.moleskine- buecher.de/moleskine.html)

Das Unternehmen ernennt seine Notizbücher zu den Notizbüchern der Dichter und Denker. Hört man diese berühmten Namen und dass all diese ihre Gedanken, Geschichten und Ideen in diese kleinen Bücher geschrieben haben, so fängt man an sich vorzustellen, wie sie das getan haben. Manche beginnen auch damit sich vorzustellen, dass sie nun genauso innovative, kreative und bedeutungsvolle Gedanken, Geschichten und Ideen in das Buch hinein schreiben könnten, wie es die großen Persönlichkeiten einst taten. Die oben zitierte Aussage von der Website des Unternehmens verdeutlicht den Sinn und Zweck dieser Werbung erneut. Interessant ist hierbei, dass als Persönlichkeit auch Bruce Chatwin aufgeführt wird, der der eigentliche Erfinder dieser Art Notizbuch ist.

MTV

Auch ein sehr erfolgreicher Musiksender bediente sich des Storytellings. Im Rahmen einer seiner Kampagnen drehte dieser Sender einen eindrucksvollen Videoclip zum Thema „Don´t drink and drive“. In diesem Spot wird eine Geschichte erzählt, die vom zu viel Trinken und dem anschließenden selbstständigen Autofahren abhalten soll. Gezeigt werden junge, betrunkene Menschen bei ihrer Heimfahrt mit einem Taxi. Die jungen Menschen zeigen sämtliche Verhaltensweisen, die man Betrunkenen nachsagt.

Am Schluss des Spots wird der Satz: „The real idiots drive themselves home“ eingeblendet. Hierbei handelt es sich um die Moral der Geschichte. Dieser Werbespot erregt Aufmerksamkeit durch seine zum Teil sehr geschmacklosen Szenen und weckt zugleich damit das Gefühl der Vertrautheit und Bekanntheit. So abstoßend und ekelerregend manche Szenen auch sein mögen, jeder hat sie schon einmal hautnah mit- oder sogar selbst erlebt. Das Storytelling verhilft somit auch dieser Werbung ihre Botschaft zu verbreiten.

Deutsches Rotes Kreuz

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat für seine aktuelle Werbekampagne, die sowohl Banner auf Internetseiten als auch große Werbeanzeigen

beinhaltet, ebenfalls das Storytelling genutzt. Die Abbildung  zeigt einen „Biker“ wie man ihn sich vorstellt. Der Mann trägt eine Motorrad-Bekleidung im Stil der „BONN2000“, der offiziellen Uniform für ehrenamtliche Sanitäter des DRK. Die Abbildung  zeigt diese Uniform.

Dem Deutschen Roten Kreuz ist es gelungen seine Botschaft mittels einer Geschichte zu transportieren. Der ältere Herr auf seinem Motorrad erweckt zunächst einmal Aufmerksamkeit durch seine Ledermontur. In den Regionen, in denen das DRK sehr präsent ist, kennt jeder die Uniform der ehrenamtlichen Mitglieder. Der Betrachter beginnt über diesen Sachverhalt nachzudenken, da ein „Biker“ und diese Form der ehrenamtlichen Arbeit scheinbar nicht vereinbar sind. Die Geschichte, die diese Werbeanzeige vermittelt, besagt jedoch etwas anderes. Die Betrachter stellen nach kurzer Zeit fest, dass eine Organisation wohl kaum Werbung mit Personen machen würde, die nicht in das Bild des Deutschen Roten Kreuzes passen würden. Sie beginnen sich auszumalen, wer sich sonst noch alles ehrenamtlich engagieren könnte. Der Abschluss dieser Gedanken ist dann gekommen, wenn sie sich vorstellen, dass selbst sie als ehrenamtlicher Sanitäter arbeiten könnten. Diese Werbung zeigt, dass Storytelling auch von den unterschiedlichsten Organisationen und Unternehmen angewandt werden kann und dass auch die spezifische Zielgruppenansprache kein Problem darstellt.

Quellen:

Foerg, B.; Spath, Ch. (2006). Storytelling & Marketing. Wien: echomedia

Moleskine: http://www.moleskine-buecher.de/

Abbildungen:

„Bonn2000“: http://www.h-dg.de/shop/shop_detail.html?zusatzbilder=1&art_lfdnr=&grp_lfdnr=420

DRK: http://www.brk.de/Unterfranken/Rhoen-Grabfeld/aktuelles-1/aktuelle-berichte/201ehelfen-steht-jedem-gut201c

Moleskine: http://sartoriography.files.wordpress.com/2009/12/moleskine.jpg

MTV-Spot:http://www.youtube.com/watch?v=lPxatGrfZqo

Fazit

Die bereits mehrfach beschriebene Situation der Märkte und der infomation overload machen neue Werbetechniken unerlässlich und unumgänglich. Die nahezu unmögliche Differenzierbarkeit von Produkten und die Wahrnehmungs- und Involvementsituation der Konsumenten und damit der Werbezielgruppe verschärfen die Umstände zudem. Storytelling ist in der Lage diese Tatsachen zu umgehen und das Beste aus ihnen zu machen. Vor allem in Kombination mit anderen Werbemitteln und -techniken ist es ohne weiteres in der Lage Marken aufzubauen und das Image einer Marke zu optimieren. Es kann auf jede beliebige Zielgruppe abgestimmt und zugeschnitten werden. Im Rahmen dieser Arbeit hat sich insbesondere durch die geschilderten Einsatzmöglichkeiten ebenfalls die Vielfältigkeit und Wandlungsfähigkeit des Storytellings gezeigt. Es ist hervorragend zur Kombination vor allem mit klassischen Werbemitteln geeignet und kann selbst Hilfsorganisationen, wie es das Deutsche Rote Kreuz ist, verwendet werden.

Das Storytelling wird in den kommenden Jahren einen Siegeszug erleben. Nicht nur seine Bedeutung wird sich enorm steigern, auch die Zahl der Einsätze dieser Methode wird exorbitant ansteigen.

Quellen:

Foerg, B.; Spath, Ch. (2006). Storytelling & Marketing. Wien: echomedia

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